Sonntag, 11. Dezember 2011

Krustenbraten

Heute gibts abermals ein Rezept aus dem Buch "Fränkische Küche" von Peter Ploog, dort nennt es sich Schäufele. Aber eigentlich ist der Braten in diesem Fall nur "Beiwerk". In erster Linie ging es mir um die Beilage: Klöße.
Seit ich die traute Heimat verlassen habe musste ich Kloß-Sünden übelsten Ausmaßes mit ansehen und bedauerlicherweise auch essen. 
Irgendein gewitzter Mensch kam irgendwann auf die tolle Idee Klöße als Instantpulver oder getrocknet in Kochbeuteln oder oder oder auf den Markt zu werfen - ich vermute es war der Herr P. Fanni. Ich weiß, diese trockenpulvrigen Todsünden gibt es schon eine Weile und aus Gründen die ich nicht verstehen kann greifen manche Menschen gern zu diesem Zeug. Ich vermute mal es liegt daran, dass die Alternativen nicht hinreichend bekannt sind und der Großteil sich einbildet mit dem Pulverscheiß die einfachste Möglichkeit gewählt zu haben. 
Aber das ist ein Trugschluss und nie nie nie wieder soll irgendeiner unserer Leser nach der kartoffelgelben Pulverschachtel greifen. Niemals! Ernsthaft...


Wie jeder weiß sind Klöße aus Kartoffeln und vermutlich hat auch jeder schon davon gehört was für eine Heidenarbeit das ist Kloßteig selber zu machen. Kartoffeln schälen und kochen und reiben und ach... schrecklich. Klöße machen ist ja so eine Kunst für sich.


Glücklicherweise kam ein anderer Mensch auf die Idee frischen Kloßteig einfach in Tüten abzufüllen und im Kühlregal anzubieten. Ganz recht... ein frischer, fertiger Teig den man eigentlich nur noch zu Kugeln formen und ins Wasser werfen muss. Kein Anrühren, kein Beutelchen sezieren hinterher, nichts! Herrlich oder? Eine Firma, die ihre Produkte deutschlandweit anbietet ist die Firma Henglein. Prägt sie euch gut ein, sie versorgen euch auch mit anderen Leckereien. Sie bieten sogar verschiedene Kloßteigsorten an, auch wenn leider meist je Laden nur eine Sorte erhältlich ist. Aber diese Feinheiten wollen wir mal vernachlässigen. Denn letztlich schmeckt der Fränkische Kloß gut und der Thüringische Kloß schmeckt auch gut - bitte keine Haue falls der ein oder andere Patriot das anders sieht. Ich rede hier schließlich in erster Linie mit Kloß-Noobs... die wissen vermutlich nichtmal, dass es verschiedene Sorten gibt. Natürlich gibts auch noch andere Firmen die frischen Kloßteig herstellen. REWE hat sogar einen von der Eigenmarke. Oh und P. Fanni kam neuerdings wohl auch auf die Idee mit dem frischen Teig, oder ihn zumindest auch mal zu bewerben.





Zutaten (für 4 Personen):
1-1,5 kg Schweinefleisch (mit Schwarte)
Salz
Pfeffer
1 TL Kümmel
2 EL Butterschmalz
1 große Zwiebel
1 große Karotte
dunkles Bier
1-2 Packungen frischer Kloßteig (pro Packung 4-6 Klöße)
Toast oder Brötchen (vom Vortag)
Butter
1-2 Kartoffeln (optional)
1 Glas Apfelrotkohl



Für die grobe Zeiteinteilung: Das Fleisch braucht 2 Stunden im Ofen, Klöße und Kraut ca. 20-30 Minuten.

Die Schwarte bleibt am Fleisch dran und wird rautenförmig eingeschnitten. Je größer und schärfer das Messer, desto einfacher kommt man durch das zähe Zeug durch - also keine Angst vor großen und sauscharfen Messern. Das Fleisch von allen Seiten mit Salz und Pfeffer einreiben.
Den Backofen auf 200 °C (180 °C Umluft) vorheizen.
In einem großen Bräter das Fleisch in Butterschmalz von allen Seiten anbraten. Die Zwiebel und Karotte schälen und vierteln bzw. in grobe Stücke schneiden und zusammen mit einer Tasse Wasser in den Bräter zum Fleisch geben. Der Braten sollte mit der Schwarte nach oben im Bräter liegen und kommt nun für 2 Stunden in den Ofen. Dabei mehrmals mit Bratensaft übergießen (unser Bratensaft verflüchtigt sich gern mal, dann einfach noch etwas Wasser zugießen).
In der letzten halben Stunde den Braten mehrmals mit dem dunklen Bier bepinseln, dadurch wirds schön knusprig.
Nach der Garzeit den Braten 10 Minuten ruhen lassen. Den Bratensaft mit etwas Wasser ablöschen, abseihen (Sieb) und überschüssiges Fett entfernen (wenn es sich nicht abschöpfen lässt, dann einfach ein Blatt Küchenpapier vorsichtig auf die Fettschicht legen. Das Papier saugt das Fett auf und kann nach ein paar Sekunden einfach wieder entfernt werden.
Die Soße pürieren (für etwas mehr "Substanz" und wenn mans mag kann man etwas von den zerkochten Zwiebeln und Karotten mit pürieren) und abschmecken.


Für die Klöße Brötchen bzw. 1-2 Scheiben Toast in ca. 1cm große Würfel schneiden und in Butter goldbraun rösten. Die Butter darf ruhig etwas großzügiger eingesetzt werden damit sich die Würfel ein wenig damit vollsaugen können. Außerdem dürft ihr in diesem Fall fleißig in der Pfanne rühren und wenden damit die Würfel gleichmäßig von allen Seiten knusprig anrösten und nicht von einer Seite schwarz werden. Die Pfanne dann unbedingt vom Herd nehmen wenn die Würfel fertig sind damit sie nicht doch noch verbrennen. Sie müssen nicht heiß in den Kloßteig gedrückt werden, dürfen also ruhig etwas abkühlen. Den Kloßteig in einer Schüssel weich kneten und nach Geschmack eine mittelgroße rohe Kartoffel (pro Packung) dran reiben. Nun gehts ans Formen. Etwas Kloßteig in der Hand zu einem Fladen drücken und ein paar "Semmelbrocken", sprich Brötchenwürfel, in die Mitte geben. Den Teig um die Würfel zu einer Kugel formen und in kochendem Salzwasser ca. 20 Minuten ohne Deckel ziehen lassen. (Anleitung steht auch auf der Verpackung) Wenn sie fertig sind mit einem Schaumlöffel vorsichtig aus dem Topf fischen. Ihr solltet nun schöne, runde, zartgelbe, weiche und saftige Klöße vor euch haben. Total einfach oder?


Mit dem Rotkohl tut ihr genau das was auf dem Glas steht, also meistens nur heiß werden lassen. ;) Verfeinern nach eigenem Gutdünken natürlich ausdrücklich erwünscht. Lorbeerblatt, ein paar Nelken. Wer eine winterliche/weihnachtliche (rote) Marmelade im Kühlschrank hat kann auch davon etwas dran geben oder alternativ ein bisschen Zimt.



Kommentare:

  1. O_O

    Ich liiiiiebe Krustenbraten aber ich habe gerade etwas gelesen was ich noch nie gelesen habe. Kloßpulver.

    Ich kenn nur den fertigen Kloßteig zum sofort rollen und ins Wasser werfen. Faszinierend, man lernt halt nie aus! (Nicht das ich jetzt deswegen zum Pulver greifen würde)

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  2. Zum Pulver greifen is auch strengstens verboten. *gg*

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