Freitag, 17. Februar 2012

Wie funktioniert das eigentlich?

Heute gibts kein Rezept, aber trotzdem etwas zu verdauen.

Wir wurden jetzt schon häufiger gefragt wie wir eigentlich die Fotos für unseren Blog machen. So manch einer vermutete dahinter ein halbes Studio, aber ich kann euch versichern: wir haben kein Studio. Es ist viel einfacher und mit etwas Verständnis für die eigene Kamera und Experimentierfreudigkeit ists für niemanden ein Problem solche Fotos hinzubekommen.

Inzwischen kennt man zwei Sorten von Foodfotografie, die perfekte Version in der Werbung oder in Kochbüchern und die Version, die man auf diversen Kochcommunities findet. 
Lecker, frisch, farbenfroh vs. kalt, tot und grau. 
Beinahe jeder weiß, dass das Zeug das wir in der Werbung zu sehen bekommen in dieser Form kaum genießbar wäre. Man kennt ja das Gerücht von der Bleikirsche die in Motoröl fällt und ungefähr so läufts in der professionellen Foodfotografie tatsächlich ab. Da wird geschummelt was das Zeug hält und gewurstelt bis alles perfekt ist. Und dann wenn schon alles perfekt ist opfert trotzdem nochmal jemand zwei Stunden seines Lebens um es noch perfekter zu retuschieren.
Auf der anderen Seite haben wir dann den hastig angerichteten Teller, der mal eben schnell auf der Küchenanrichte abgelichtet wird.
Wir bewegen uns irgendwo dazwischen. Wir haben keinen Studioaufbau, unser Essen ist essbar, bleifrei und ohne Motoröl. Retuschiert wird nachher auch nicht, lediglich etwas an der Belichtung und am Kontrast geschraubt weil nicht jeder Tag strahlend und sonnig ist.

Was ist also der Schlüssel? Der Schlüssel ist: verabschiedet euch von eurem Blitz! Tageslicht, einfach nur Tageslicht. Platziert euch mit eurer Kamera und natürlich eurem Futter in der Nähe eines Fensters, am besten sollte das Licht von der Seite kommen, oder am allerbesten von zwei Seiten. Bei uns ists nur ein Fenster. Ein Stativ schadet auch nicht, aber wenn genug Licht da ist ists auch kein Problem aus der Hand zu fotografieren. Dennoch solltet ihr euch nicht davor scheuen eure Perspektive zu ändern. Die meisten Gerichte sehen zwar aus dem Winkel aus dem man sie auch beim Essen vor sich sehen würde am besten aus, aber bei einigen lohnt es sich auch sie mal von einer anderen Seite zu betrachten.

Der nächste Schlüssel ist für mich eine DSLR (Digitale Spiegelreflex). Die braucht nichtmal das neueste vom neuesten zu sein. Meine ist zum Beispiel fünf oder sechs Jahre alt. Es ist auch keine Profikamera für mehrere Tausend Euro sondern eine aus dem Preissegment 500 - 1000 Euro (Neupreis). Warum eine Spiegelreflex? Einfach deshalb weil man da so schön mit Schärfe und Unschärfe spielen kann. Ein Muss ist das allerdings nicht.
Wenn ihr so eine Kamera zur Hand habt, dann verabschiedet euch vom Automatikprogramm. Das was ihr braucht nennt sich meist manuelles Programm, kurz M. Hier könnt ihr von der Belichtungszeit über die Blende bis zur Lichtempfindlichkeit alles selber einstellen. Wie ihr das macht verrät euch euer Handbuch. Als kleine Orientierungshilfe verrate ich euch soviel: Blende 5.6, ISO 200.

Der dritte Schlüssel ist RAW. RAW? Das ist doch das Geräusch, das Dinosaurier machen... Nein, nicht ganz. RAW bedeutet roh. Es ist das Rohformat das die meisten DSLR anbieten. Viele Kameras kann man so einstellen, dass sie Bilder doppelt abspeichern, als jpg und als RAW. Diese Option nutze ich, denn damit bekomme ich pro Foto ein jpg das ich als schnelles Vorschaubild auf dem Rechner nutzen kann und ein RAW das ich dann weiter verarbeite. Das schöne ist, dass ihr bei einem RAW nachträglich im Programm Einfluss auf Belichtung, Kontrast, Farben usw. nehmen könnt - fast ohne Qualitätsverlust. Ob und wie ihr RAW-Dateien verarbeiten könnt hängt davon ab welche Programme ihr zur Verfügung habt. Am besten informiert ihr euch darüber beim Hersteller, denn jeder Hersteller hat ein eigenes RAW-Format und eigene Programme um die Dateien zu öffnen. Häufig bekommt ihr ein solches Programm auch auf CD direkt zur Kamera dazu. Spielt einfach etwas damit herum und beobachtet was passiert, ihr bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür an welchen Rädchen ihr drehen müsst.

Viel mehr gibt es im Grunde nicht zu sagen, denn eine gut eingestellte Kamera und Tageslicht sind schon die einzigen Geheimnisse. Sicher lassen sich auch mit der ganz normalen kleinen Kamera nette Ergebnisse erzeugen, allerdings hat man da eben selten die Möglichkeit alle Werte selbst zu beeinflussen. Aber allein auf den Blitz zu verzichten ist schonmal immer einen Versuch wert.

Zum Beweis bekommt ihr heute zweimal das gleiche Bild aus der gleichen Perspektive aufgenommen, einmal mit Tageslicht und einmal mit Blitz. Entscheidet selbst was euch besser gefällt, aber für mich ist die Sache eindeutig. Struktur, Schatten und Tiefe vs. platt und totgeblitzt.


Tageslicht


Blitz

Okay, die Perspektive ist die gleiche, der Bildausschnitt nicht ganz. Ich war zu faul die Bilder übereinander zu legen. ;)
Aber zur Veranschaulichung sollte es reichen. ^^

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